2019: Schweben

Dimension14 – ehemals ArtEvent – gastiert in der 1910 errichteten und seit 2016 leerstehenden „Villa Pardemann“ in Stahnsdorf, wo man bereits zwei Jahre zuvor erfolgreich performt hat. Unter dem Motto „Schweben“ greifen die Künstler nicht nur die ungeklärte, politische Situation des Hauses auf, sondern reflektierten mit ihren ortsbezogenen Arbeiten auch Phänomene des Schwebens schlechthin: Von der Auseinandersetzung mit die Gesetzen der Schwerkraft über Zustände des Dazwischen-Seins bis hin zu philosophischen Fragen von Übergang und Transzendenz. 

Eröffnungsrede

Dr. Dorothea Schöne, Kunsthaus Dahlem
Eröffnungsrede zur Vernissage „schweben“ der Künstlergruppe dimension14 am 11. Mai in Stahnsdorf.

(Auszug)

Begrüßung. Danksagung an die KünstlerInnen
Zum zweiten Mal haben sie dieses Haus temporär in Beschlag genommen und mit einem Netz künstlerischer Positionen überzogen, die aus dem Gemäuer einen Wandelgang von Interpretations- und Reaktionsmomenten auf das übergreifende Thema „Schweben“ haben werden lassen. Neun Künstlerinnen und Künstler und mit Tessa de Oliveira Pinto und Michael H. Rohde zwei Gastkünstler/In haben ihre Reaktion und Auslegung des Themas in einem oder mehreren Räumen verankert, bzw. als Farbpigment-Ornamentierung des Gartens schon beim Betreten des Grundstücks präsent gemacht. Sie haben sich Räume angeeignet und teilweise deren ehemalige Nutzung – als Kinderzimmer, Bad oder Küche – zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung gemacht.

Ihnen gemein ist das Leit-Thema: das Schweben. Als der Moment der Entgrenzung schlechthin – es ist der Zustand zwischen dem Stand und der Boden-Losigkeit, zwischen der einen Gestalt und der anderen, zwischen der Entscheidung. Schweben muss nicht progressiv im Sinne von Voranschreiten sein. Vielmehr ist es ebenso ein Hin und Her, eine Enthausung aus der Behaglichkeit. Etwas im Schweben ist prägnant und flüchtig zugleich.
Es benennt den Moment des schwer Greifbaren, des Unentschiedenen. Um diese Zwischen-Situation drehen sich die künstlerischen Positionen, kommen ihr auf die Schliche und benennen sie in ihrer Vielgestalt.

Dafür ist Kunst das optimale Mittel. Denn Kunst erhebt keinen Absolutheitsanspruch, sondern greift sich den einen individuellen Ausdruck als mögliche Sichtweise und mögliche Richtung heraus. Sie verdichtet sich an der Stelle, an der Sprache ihre Akkuratesse und Zuverlässigkeit, ihre Treffsicherheit verliert.

Schweben kann vergleichbar sein mit dem Wechsel eines Aggregatzustandes oder eines Reifezustandes – und so finden wir auch hier in der Ausstellung eine Art Laborsituation. Oder zumindest etwas, das als solche anmutet, denn das, was das leichtgläubige Auge denkt zu identifizieren, ist doch in keinster Weise steril, materialtreu, akkurat. (…)

Vollständige Eröffnungsrede als PDF verfügbar:

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