2016: Cut

Spezialisiert auf das Arbeiten mit Räumen, zeigt die Künstlergruppe ArtEvent (jetzt dimension14) mit ihrer disjährigen Ausstellung CUT erstmals Kunst an der Schnittstelle zum Kino. In einer zweiwöchigen Werkstatt entstehen die Arbeiten vor Ort in den Räumen der Neuen Kammerspiele in Kleinmachnow.

Mit CUT greifen die Künstler ein elementares Prinzip der Kinokunst auf und verweisen gleichzeitig auf den Schnitt als lebensbedingenden Faktor in historischer, sozialer und künstlerischer Hinsicht.

Eröffnungsrede

Dr. Jürgen Bräunlein
Eröffnungsrede zur Vernissage „Cut“ der Künstlergruppe ArtEvent (jetzt dimension14)

(Auszug)

Am Anfang war nicht das Wort, sondern der Stein. Der scharfkantige Stein, der auf dem Boden lag und in den unsere Vorfahren mit nackten Füßen ohne es zu wollen hineingetreten sind. Der Schmerz, das fließende Blut und die klaffende Schnittwunde haben ihnen gezeigt, was Schärfe bedeutet. Und was sich andererseits Tolles damit anstellen lässt. Gesegnet sei die Erfindung des Messers!

Das Messer ist nämlich kein Iphone, sondern ein Werkzeug, um in der Wildnis zu überleben. Speere schnitzen für die Jagd, Kadaver zerlegen für Fleisch und Eiweiß. Noch heute ist das Taschenmesser wichtiger Teil eines jeden Survival-Rundum-Sorglos-Pakets. Nicht nur bei Pfadfindern. Das Taschenmesser gehört in die Hosentasche, den man braucht es von morgens bis abends.

Denn das Taschenmesser ist mehr als ein Taschenmesser, es ist eine Metapher. Eine Metapher dafür, dass wir uns die Welt tagtäglich zu recht schneiden müssen, damit wir uns in ihr wohlfühlen können.

Tisch und Stühle auf den Dielen, Filetspitzen und Kartoffelchips auf dem Teller, Bilderrahmen und Spiegel an der Wand. Wir schneiden anderen Menschen das Wort ab, weil sie zu viel reden. Schneiden an uns selbst herum. Die Haare ab, die Fingernägel kurz. Das gehört zur Zivilisation dazu.

Vollständige Eröffnungsrede als PDF verfügbar:

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