2015: towering

Die 15. Ausstellung der Künstlergruppe ArtEvent (jetzt dimension14) vom 12. bis 20. September 2015 stand unter de menglischen Begriff towering, der sich übersetzen lässt in hoch aufragend, himmelhoch, aber auch dominierend. Die Künstler beschäftigte der menschliche Drang in die Höhe, die Hybris, aber auch der Schwindel und die Fragilität, die letztlich mit der Höhenlust verbunden sind. Zwei Wochen lang haben sie konstruiert und gemalt, gebogen und gesägt, genäht und genagelt, und dabei die Höhe des Alten Kesselhauses der Biomalz-Fabrik in Teltow erobert. Der hier ins Mauerwerk eingelassene turmartige Schlot bot Inspiration. Ein riesiges Montagegerüst lud zu waghalsigen Konstruktionen ein. Entstanden sind grazile und robuste, raffiniert emporragende Arbeiten aus Holz, Draht, Papier, Stoff, Ton, Weide und groformatige Malereien. Aufgrund des großen Erfolges wurde die Ausstellung bis Oktober 2015 verlängert.

Eröffnungsrede

ArtEvent 2015 präsentiert Towering
Eröffnungsrede / Dr. Jürgen Bräunlein

(Auszug)

Die Lust, kleine Türme gezielt umzustoßen, zeigt sich schon bei 1-Jährigen. In einem Alter also, wo man selbst noch recht wackelig auf den Beinen steht. Der Wille und die Fähigkeit Türme aufzubauen, kommen aber erst später. Der Wunsch über sich selbst hinauszuwachsen.

Zunächst stapeln Kinder Bauklötze und andere Gegenstände ihres Vertrauens vertikal. Sie finden heraus, was zu tun ist, damit ihre Konstruktion nicht umfällt. Mit zwei Jahren gehen sie in die Horizontale, legen Gleisstücke von Spielzeugbahnen aneinander, finden aber rasch wieder zur Höhe zurück. Dann wird Vertikales mit Horizontalem verbunden. Kinder konstruieren Treppen und Rutschbahnen – Metaphern ihres zukünftigen Lebens als Erwachsene.

Wir finden uns also damit ab und machen das Beste daraus. Aus diesem menschlichen Urtrieb, nach oben zu klettern, in die Höhe zu bauen, Türme zu errichten. Unsere Vorfahren waren die Lehrmeister. Vom Säbelzahntiger verfolgt, gab es nur eine Rettung. Schnell rauf auf den nächsten Baum. Auch wenn man dann später dort oben verhungert ist oder vom Blitz getroffen wurde. Eine Alternative wäre – wenn noch etwas Zeit bliebe – sich nach unten in die Erde zu wühlen, wie ein Maulwurf. Maulwürfe buddeln sich, bei Feueralarm und ähnlichen Gefahren, so tief in ihren Bau wie sie nur können.

Vollständige Eröffnungsrede als PDF verfügbar:

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